Was Verantwortungsübernahme

für unsere Welt bedeutet

In diesem Artikel geht es ums Thema Veranwortung mit allen Facetten, und warum diese die Wahrnehmung der persönlichen Verantwortung und die Wahrung dieser Grenzen für unsere Welt immer wichtiger wird. Viel Spass beim lesen!

Zu sehen sind zwei Menschen, die sich sehr nahe stehen. Es ist ein Symbolbild dafür, dass wir alle unsere persönliche Verantwortung übernehmen müssen für ein gleichwürdiges und soziales Miteinander. Wenn wir alle Grenzen wahren und gemeinsam nach Lösungen suchen, verändert sich die Welt.

Veröffentlichung: 10. Februar 2025

Im Laufe der letzten Jahrzehnte hat sich das Verständnis von «Erziehung» grundlegend verändert. Historisch gesehen wurde in vielen Erziehungskonzepten grosser Wert auf Gehorsam gelegt. Kinder wurden dazu erzogen, ohne Hinterfragen die Anweisungen der Eltern oder Lehrer zu befolgen. Dieses autoritäre Erziehungsmuster basierte auf der Annahme, dass Autorität und Hierarchie notwendig seien, um Ordnung und Disziplin zu gewährleisten, weil sich Kinder sonst zu egoistischen und unsozialen Menschen entwickeln würden. Jesper Juul hingegen plädiert für einen anderen Ansatz, der auf einem gleichwürdigen Umgang von Erwachsenen und Kindern basiert. In diesem Konzept stehen Dialog, Respekt und die Anerkennung der individuellen Persönlichkeit des Kindes im Vordergrund. Jesper Juul hat in seinen Arbeiten auch die Bedeutung von Verantwortung in zwischenmenschlichen Beziehungen neu definiert. In seinem Ansatz unterscheidet er dabei klar zwischen sozialer Verantwortung und persönlicher Verantwortung. Diese Unterscheidung legt den Grundstein für ein neues Verständnis von Erziehung und zwischenmenschlichen Beziehungen, in dem der Mensch als aktiver Gestalter seines Lebens und als gleichwürdiger Partner im Austausch mit anderen wahrgenommen wird. Was diese Unterscheidung bedeutet, welche Konsequenzen dies im Umgang mit unseren Kindern haben kann und wo sich für uns Eltern dadurch Lernfelder auftun, erläutere ich in diesem Text.

Soziale Verantwortung

Soziale Verantwortung bezieht sich auf die Verpflichtung, sich im Kontext der Gemeinschaft – sei es Familie, Schule, Arbeitsplatz oder Gesellschaft – an Regeln, Normen und Werten zu orientieren. Es geht darum, das Wohl des Kollektivs im Blick zu behalten, Empathie zu zeigen und auf die Bedürfnisse anderer einzugehen. Die soziale Verantwortung beantwortet die Frage, was ich für mein Gegenüber tun kann, soll oder sogar muss. Ein klassisches Beispiel hierfür ist die Übernahme von Pflichten in einer Gemeinschaft, wie etwa das Engagement in einem Verein oder das aktive Mitwirken in einem Nachbarschaftsprojekt. Hier wird Verantwortung nicht nur als individuelle Aufgabe verstanden, sondern als Beitrag zu einem größeren Ganzen, bei dem das eigene Handeln Auswirkungen auf das Zusammenleben aller hat.

Persönliche Verantwortung

Persönliche Verantwortung hingegen betont die individuelle Handlungsfähigkeit und die Bereitschaft, die Konsequenzen des eigenen Handelns zu akzeptieren. Es geht darum, sich selbst als autonomen Menschen wahrzunehmen, der Entscheidungen bewusst trifft und für diese auch einsteht. Jesper Juul hebt hervor, dass persönliche Verantwortung eng mit der Entwicklung von Selbstbewusstsein und Selbstreflexion verbunden ist. Wer Verantwortung für sich selbst übernimmt, lernt, seine eigenen Bedürfnisse, Gefühle und Grenzen zu erkennen, zu benennen und konstruktiv in Beziehungen zu kommunizieren.

Ein Beispiel aus dem Familienalltag von sozialer und persönlicher Verantwortung

Konkret könnte dies bedeuten, dass statt bei Konflikten in der Familie automatisch auf autoritären Gehorsam zu setzen, sich die Eltern dafür entscheiden, den Dialog zu suchen und ihren Kindern zu erklären, warum bestimmte Regeln gelten bzw. bestimmte Verhaltensweisen nicht erwünscht sind. Wird beispielsweise eine geltende Regel nicht eingehalten, wird das Kind nicht einfach bestraft, sondern die Eltern gehen in den Dialog und besprechen die Situation mit den Kindern. Sie fragen dann z.B.: «Wenn ihr während des Autofahrens streitet, lenkt mich das beim Fahren ab und das ist gefährlich. Wie können wir dafür sorgen, dass wir sicher von A nach B kommen?» Dadurch werden die Kinder ermutigt, über ihre Bedürfnisse und ihr Verhalten nachzudenken, Verantwortung für ihre Gefühle und Bedürfnisse zu übernehmen und eigene Lösungsansätze zu entwickeln.

Warum sollten wir den Gehorsam überwinden?

1. Förderung der Selbstreflexion und Eigenverantwortung:

Kinder, die lernen, eigene Entscheidungen zu treffen und deren Konsequenzen zu tragen, entwickeln ein stärkeres Selbstbewusstsein. Anstatt blind Befehle zu befolgen, werden sie dazu angeregt, in sich hineinzuspüren, über ihr eigenes Verhalten nachzudenken und Verantwortung zu übernehmen.

2. Stärkung der Beziehungsqualität:

Der beziehungsorientierte Umgang mit den Kindern fördert eine offenere und vertrauensvollere Beziehung zwischen Eltern und Kindern. Dies führt langfristig zu einem harmonischeren Miteinander, in dem Konflikte auf Augenhöhe gelöst werden können. Weiter werden die Kinder bindungssichere Menschen, was ein grosser Schutzfaktor gegen psychische Erkrankungen ist und ein konstruktiver Umgang in Beziehungen ermöglicht.

3. Vorbereitung auf die Herausforderungen des Lebens:

Die globalisierte Welt ist komplex und von Unsicherheiten geprägt. Kinder, die frühzeitig lernen, eigenverantwortlich zu handeln, sind besser darauf vorbereitet, mit den Herausforderungen des Lebens umzugehen. Sie entwickeln Problemlösungskompetenzen und ein Gefühl für ethische und moralische Fragestellungen.

Was verändert sich konkret, wenn wir mehr Verantwortung und weniger Gehorsam fordern bei unseren Kindern?

Eltern, die auf Gehorsam bestehen, neigen dazu, Entscheidungen unilateral zu treffen. Sie wollen etwas – und das ist der Weg dazu.

Ein dialogorientierter Umgang ermutigt Kinder jedoch, ihre eigenen Ansichten zu äussern. Wird beispielsweise die Entscheidung getroffen, welche Freizeitaktivitäten unternommen werden, so werden die Kinder aktiv in den Entscheidungsprozess einbezogen. Dies kann dazu führen, dass sie sich stärker mit der Entscheidung identifizieren und bereitwilliger Verantwortung übernehmen. Dies bedeutet gleichzeitig NICHT, dass die Kinder die Entscheidungsmacht haben – die elterliche Führung bleibt trotz Dialog bestehen. Es wird demnach mehr und offener über einen Entscheid gesprochen, die Eltern haben die Aufgabe, hinter die Wünsche der Kinder zu blicken und deren Bedürfnisse zu erkennen, diese zu verbalisieren und mit den Kindern gemeinsam Wege zu finden, wie diese Bedürfnisse bestmöglich erfüllt werden können. Es fordert also nicht nur den Kindern, sondern auch den Eltern eine gewisse Flexibilität ab.

Zusammenfassend sind mögliche Herausforderungen für die Eltern:

- Kontrollansprüche loslassen und offen für alternative Lösungsansätze sein

- Zeit für Kommunikationen schaffen und Geduld aufbringen, während die Kinder nach eigenen Lösungen suchen

- Konflikte als normaler Bestandteil des Zusammenlebens zu akzeptieren und diese konstruktiv moderieren, statt diese zu unterdrücken bzw. autoritär zu lösen.

- Das Kind bei ungünstigen Folgen seiner Entscheidungen gleichwürdig und unterstützend (und eben nicht vorwurfsvoll und strafend) zu begleiten

Was können Eltern tun, um den Weg vom Gehorsam hin zur Verantwortung gehen zu können?

- Bildung und Reflexion: Lesen Sie Bücher von Jesper Juul und nehmen Sie an Referaten und Seminaren der Beziehungsorientierung teil. Ich biete regelmässig Online-Referate an und habe auch einen Mitgliederbereich, wo sowohl die Grundlagen der Beziehungsorientierung als auch die Umsetzung im Familienalltag besprochen und mittels Workbooks ein «Coaching-to-go» enthalten ist. So bilden Sie sich selbst fort und reflektieren Ihr Alltagshandeln, damit Veränderung auch passieren kann.

- Seien Sie Referenzperson für Ihre Kinder: Kinder lernen durch Nachahmung. Eltern, die selbst Verantwortung für ihr Handeln übernehmen und offen mit ihren Fehlern umgehen, setzen ein starkes Signal und werden als authentisch wahrgenommen. Nur so lernen Ihre Kinder, Verantwortung zu übernehmen.

- Wertschätzende Kommunikation: Es gilt, eine Atmosphäre zu schaffen, in der sich Kinder trauen, ihre Meinung zu äussern. Offene Gespräche über Entscheidungen, Gefühle und Konflikte fördern nicht nur das Verständnis füreinander, sondern ermöglichen es auch, gemeinsam Lösungen zu entwickeln. Diese Kommunikation sollte stets von Respekt und Empathie geprägt sein.

- Seien Sie gnädig mit sich: Neues Verhalten ist nicht von heute auf morgen umsetzbar. Es braucht Übung, es braucht Wissen, es braucht Erkenntnis und es braucht Durchhaltewille. Seien Sie mit sich also gnädig, wenn nicht alles und immer von Tag 1 an so läuft, wie Sie es sich vorstellen. Seien Sie gleichzeitig bereit, die Themen, die dadurch bei Ihnen aufploppen werden, zu bearbeiten. Denn so kommen Sie in eine echte Umsetzung die sich langfristig für Sie richtig anfühlt und Ihrer Haltung entspricht und nicht einer Methode, die Sie erlernt haben.

Was Verantwortungsübernahme für unsere Welt bedeutet

Der Wandel in der Erziehung von Gehorsam hin zu persönlicher Verantwortung hat weitreichende Folgen – nicht nur für die Familien, sondern für die Gesellschaft als Ganzes. Wenn Kinder früh lernen, als gleichwertige Partner in Beziehungen wahrgenommen zu werden und selbstbestimmt zu handeln, entwickelt sich ein neues Fundament für zwischenmenschliche Beziehungen. Die Generation, die in einer Umgebung der Anerkennung und des respektvollen Austauschs aufwächst, ist besser gerüstet, um komplexe gesellschaftliche Herausforderungen anzugehen. So entsteht langfristig eine Gesellschaft, die nicht auf autoritären Strukturen basiert, sondern auf Vertrauen, Empathie und einem bewussten Umgang mit Verantwortung. Und so eine Gesellschaft wünsche ich mir, für mich, aber auch für meine Kinder und Kindeskinder. Und deshalb biete ich persönliche Beratungen sowie Online-Referate und einen Mitgliederbereich an, damit alle Menschen, die diesen Weg gerne gehen möchten, die Unterstützung erhalten, die sie brauchen. Denn der Wechsel hin zu einem beziehungsorientierten Umgang mit unseren Kindern ist mit Unsicherheiten verbunden – und in diesen Unsicherheiten bin ich gern Ihre Sparring-Partnerin, damit Sie Ihren persönlichen Weg gehen können.

Silvia Zwick ist ganzheitliche Gesundheitsberaterin und schreibt ihn ihren Artikeln zu verschiedenen (Familien-) Alltagsthemen. Mehr über die breit ausgebildete systemische Beraterin findest du in der Unterseite über mich.

Silvia Zwick

Dipl. Physiotherapeutin, Dipl. Ernährungsberaterin EMR i.A., systemische Coach und Organisationsentwicklerin ISI, MAS in Prävention und Gesundheitsförderung, Zertifizierte Emotionscode-Anwenderin

Selbständige ganzheitliche Gesundheitsberaterin

vor Ort und Online

Praxis in Engwang / Schweiz